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Kennst du das auch …?

Ein beschissener Tag?

„Ich brauch einen Schnaps.“

Etwas Tolles geschafft?

„Darauf müssen wir anstoßen.“

Stress? Alkohol.

Freude? Alkohol.

Trauer? Alkohol.

Belohnung? Alkohol.

Und irgendwann merkst du gar nicht mehr, wie sehr sich dein Gehirn daran gewöhnt hat.

Mit 25 Jahren habe ich es mir schön gefeiert.

Mit 35 habe ich es mir schön geredet.

Und mit 45 war ich mental abhängig.

Das ist kein Satz, den ich leichtfertig schreibe. Das war mein Leben.Irgendwann konnte ich nicht mehr einfach sagen: „Heute trinke ich nichts.“ Mein Kopf hatte längst gelernt, für jedes Gefühl eine Belohnung zu verlangen.Und dann musste ich etwas verändern.Nicht nur den Alkohol weglassen. Sondern mich selbst verstehen.Meine Therapie war dabei ein wichtiger Teil meines Weges. Denn eine Sucht fällt nicht einfach vom Himmel. Sie hat Wurzeln. Und solange man die nicht anschaut, bleibt die Gefahr, immer wieder bei den alten Mustern zu landen.Mein Weg zurück hatte viele Bausteine.Einer davon waren meine Wanderschuhe.Ich habe irgendwann angefangen, meine Gefühle nicht mehr wegzutrinken, sondern sie mitzunehmen.Raus in die Natur.

Atmen.

Laufen.

Wahrnehmen.

Aushalten.

Die Natur hat mich nicht gefragt, warum ich so lange gebraucht habe. Sie hat mich einfach aufgenommen.Und plötzlich kamen sie: die Tränen.Nicht einmal. Immer wieder.Ich lief und dachte nach. Über mein Leben. Über Menschen. Über Entscheidungen. Über Dinge, die wehgetan hatten. Über das, was ich mir selbst angetan hatte.Aber diesmal bin ich nicht davongelaufen.Ich bin mitten hindurchgelaufen.Kilometer für Kilometer.Heute weiß ich, was es bedeutet, sich frei zu laufen.Wenn deine Beine schwer werden und du trotzdem weitergehst, lernst du etwas über dich. Wenn du an einem Start stehst und dieses unglaubliche Adrenalin spürst. Wenn du irgendwann nicht mehr weißt, woher die nächste Kraft kommen soll – und sie trotzdem findest.

Dann begreifst du:

Ich kann das.

Nicht nur die Strecke.

Auch das Leben.

Wandern hat mir nichts weggezaubert. Aber es hat mir geholfen, wieder hinzusehen.Es hat mir gezeigt, dass ich mich nicht für jedes Gefühl belohnen muss.Ich darf traurig sein, ohne mich zu betäuben.Ich darf glücklich sein, ohne etwas dafür zu brauchen.Ich darf erschöpft sein.Ich darf wütend sein.Ich darf einfach sein.Und genau deshalb ist mein Belohnungssystem heute ein anderes.Wenn das Leben mir eine Herausforderung vor die Füße legt, ziehe ich meine Wanderschuhe an.Heute brauche ich keinen Drink, um mich gut zu fühlen.Heute brauche ich manchmal nur einen Weg.Und je weiter meine Füße mich tragen, desto mehr komme ich bei mir an.Schritt für Schritt.Heute ist meine Belohnung nicht der Alkohol.

Heute ist meine Belohnung: Freiheit.