
Bei 30 Grad in den Weinbergen
Premiere beim Abmarsch Rhein-Main-Park – Eine Hitzeschlacht mit Happy End
Als Flo von „Flo muss raus“ zu seinem ersten Abmarsch im Rhein-Main-Park einlud, war für mich sofort klar: Bei seiner Premiere möchte ich unbedingt dabei sein. Es ist etwas Besonderes, wenn jemand den Schritt wagt, eine eigene Wanderveranstaltung auf die Beine zu stellen. Unter Wanderfreunden unterstützt man sich gegenseitig, wünscht sich Erfolg und zeigt das am besten durch die eigene Teilnahme. Also machte ich mich auf den Weg und fuhr rund zwei Stunden bis zum Start.Über die angekündigte Hitze hatte ich mir im Vorfeld ehrlich gesagt kaum Gedanken gemacht. Für den Notfall hatte ich zwar einen UV-Schirm gekauft, doch ich ahnte nicht, wie sehr ich ihn an diesem Tag brauchen würde.
Motiviert ging es gemeinsam mit den anderen Wanderern auf die Strecke. Die ersten Kilometer liefen hervorragend, und bis zum ersten Verpflegungspunkt fühlte ich mich fit und voller Zuversicht. Doch nach etwa 15 Kilometern führte die Strecke hinauf in die Weinberge – und dort begann mein persönlicher Kampf. Kilometerweit gab es keinen Schatten. Die Sonne brannte gnadenlos vom Himmel und entzog mir gefühlt jede Kraft. Der Blick über die Weinberge war zwar atemberaubend schön, doch genießen konnte ich ihn nur noch bedingt.An einer kleinen Kirche musste ich eine Pause einlegen. Ich legte mich auf eine Bank, streckte die Beine nach oben und hoffte, dass sich mein Kreislauf wieder etwas stabilisieren würde. Zum Glück half die kurze Auszeit, sodass ich meinen Weg fortsetzen konnte.Unterwegs traf ich immer wieder auf Mark, dem die Hitze ebenfalls ordentlich zusetzte. Wir setzten uns zwischendurch zusammen, tauschten uns aus und motivierten uns gegenseitig. Auf seine ganz eigene Art achtete er immer darauf, dass ich nicht völlig den Anschluss verlor. Es tat gut zu wissen, dass jemand ein Auge auf mich hatte.Der schwerste Moment kam an einer Treppe. Plötzlich wurde mir so übel, dass ich dachte, ich würde jeden Moment zusammenbrechen. Mehrere Mitwanderer fragten sofort, ob sie helfen könnten. Doch in diesem Augenblick ging einfach gar nichts mehr. Nach etwa zehn Minuten sammelte ich all meine Kräfte und ging weiter – langsam, sehr langsam. Schritt für Schritt. Immer wieder musste ich Pausen einlegen.
Etwa fünf Kilometer vor dem Ziel sprachen mich zwei Wanderinnen an und fragten, ob sie einen Sanitäter rufen oder anderweitig helfen könnten. Sie gaben mir ihr Kühltuch, das in diesem Moment zu einem echten Lebensretter wurde. Gemeinsam begleiteten sie mich in meinem Tempo bis ins Ziel. Dafür werde ich ihnen immer dankbar sein.Als ich schließlich die Ziellinie erreichte und mir die Medaille umgehängt wurde, war die Erleichterung riesengroß. Ich bedankte mich noch einmal herzlich bei den beiden Frauen. Genau dieser Zusammenhalt macht die Wander-Community für mich so besonders. Man begegnet sich mit Respekt, Hilfsbereitschaft und gegenseitiger Unterstützung – Werte, die heute leider nicht mehr selbstverständlich sind.
Die Premiere des Abmarschs war rundum gelungen. Die Verpflegungspunkte waren hervorragend organisiert, das gesamte Team war aufmerksam und engagiert. Aufgrund der extremen Temperaturen wurde sogar noch ein mobiler Wasser-Verpflegungspunkt eingerichtet – eine großartige Entscheidung. Auch die Medaille ist wunderschön gestaltet und wird mich immer an diesen besonderen Tag erinnern.
Nach dieser Erfahrung habe ich mir direkt ein eigenes Kühltuch gekauft – für mich ein absoluter Gamechanger. Vor allem aber bin ich unglaublich stolz, diese Herausforderung trotz aller Schwierigkeiten gemeistert zu haben. Genau solche Erlebnisse machen mich stärker. Jeder Kilometer stärkt nicht nur meine Beine, sondern auch mein Mindset. Das Wandern fordert mich heraus, bringt mich an meine Grenzen und zeigt mir gleichzeitig, wie viel Kraft in mir steckt. Deshalb werde ich immer wieder losgehen – Schritt für Schritt.