Bianca das Wandertäubchen
Dem Wandertäubchen folge ich schon eine Weile auf Instagram. Mich beeindrucken Menschen, die so Freude an den Langdistanzen haben , ihre Wege sind inspirierend. Doch lest selbst, was hinter dem Pseudonym Wandertäubchen steckt

1. Wie & wann begann deine Wanderleidenschaft?
Als Kind war ich mit meinem Vater und meinen Großeltern oft in den Ferien wandern. Damals fand ich das ehrlich gesagt eher nervig und langweilig. Beruflich bin ich immer viel auf den Beinen und privat legte ich immer schon, unabhängig von meiner Leidenschaft fürs Wandern, gerne alle möglichen Distanzen zu Fuß zurück - statt beispielsweise in der stickigen Straßenbahn zu sitzen.
Der eigentliche Wendepunkt kam 2022: In einer Bierlaune meldete ich mich mit zwei Freunden für einen 55-km-Mammutmarsch an, um Geld für den Artenschutz zu sammeln. Wegen Corona wurde die Veranstaltung allerdings um ein Jahr verschoben. Als es schließlich so weit war, stand ich plötzlich alleine am Start – und genau das war der Beginn meiner Wanderleidenschaft. Die Tour hat mir so viel Spaß gemacht, auch, wenn ich das Alleine-Starten zunächst irgendwie doof fans, dass ich einfach dabeigeblieben bin.

2. Bist du lieber alleine oder mit anderen unterwegs – Langdistanz oder kurz?
Das kommt ganz auf die Begleitung an. Es gibt Tage und Lebensphasen, in denen ich bewusst alleine unterwegs bin, um mein ADHS-Hirn freizubekommen, das sich im Berufsalltag gerne in tausend Gedanken verliert. Mit der richtigen Begleitung funktioniert das aber genauso gut. Wenn Tempo, Humor und Gesprächsthemen passen, freue ich mich immer über Gesellschaft – solange mein Gegenüber keine endlosen Monologe hält.
Mit der Zeit haben sich auch meine Distanzen verändert. Mittlerweile reizen mich vor allem Langstrecken ab 100 Kilometern, besonders bei Events. Trotzdem laufe ich auch gerne kürzere Touren, wenn die Strecke landschaftlich besonders schön ist – wie zuletzt bei der Harzquerung oder den Veranstaltungen von Heldenmarsch. Deutschland hat so viele wunderschöne Ecken, die es zu entdecken gibt.

3. Wie bereitest du dich auf Langdistanzen vor?
Meine Vorbereitung besteht vor allem aus Kontinuität. Ich gehe regelmäßig auf Tour, auch ohne Eventteilnahmen – mal mit vielen Höhenmetern, mal im Regen, mal bei praller Sonne, über Asphalt oder Waldwege, langsam oder schnell und zu jeder Jahreszeit. Zusätzlichen Ausdauersport betreibe ich aktuell kaum, obwohl das sicher eine gute Ergänzung wäre. Bisher haben mir aber zwei bis drei Wander-Events pro Monat als Vorbereitung immer gereicht.Dabei teste ich auch meine Ausrüstung, Verpflegung und Technik oder probiere neue Podcasts und Playlists für unterwegs aus, um mich bei Laune zu halten.
4. Was gibt dir das „Draußensein“?
Ich war schon immer ein naturverbundener Mensch, was sich sogar ein Stück weit in meiner Berufswahl und auch meinem Namen für den Wandercontent widerspiegelt - es gab nämlich tatsächlich vor geraumer Zeit einmal sogenannte Wandertauben, die leider mittlerweile ausgestorben sind.
Draußen unterwegs zu sein erdet mich und macht mich wieder empfänglich für die kleinen Dinge, die im Alltag oft untergehen.Ich freue mich dann über einen besonders schönen Sonnenauf- oder -untergang, einen Schwarm Glühwürmchen in einer lauen Sommernacht, eine neugierige Katze am Wegesrand, das Erwachen oder Verstummen der Vögel morgens oder des Nachts aber auch den unverwechselbaren Geruch eines nahezu unberührten Waldstücks. Im Alltag nehmen wir vieles davon gar nicht mehr bewusst wahr. Beim Wandern gelingt das wieder – wenn man sich die Zeit dafür nimmt.
5. Was hast du immer dabei?
Definitiv mehrere und viel zu viele Ersatzsocken - meine Füße sind leider richtige Mimosen. Außerdem ein zweites Handy als Notfall-Backup, weil ich weder mit einer Powerbank noch mit Komoot navigiere und mein Handy hauptsächlich für Musik nutze. Dazu kommt ein kleines Care-Paket mit Rettungsdecke, Blasenpflastern und anderen Kleinigkeiten – das ich zwar selten selbst brauche, aber oft gerne für andere dabeihabe.Außerdem dürfen Koffein-Kaugummis, Magnesiumcreme für die Muskeln und auch Mr.-Tom-Riegel als Seelenschmeichler bei zähen KM-Passagen nicht fehlen.
6. Gibt es noch Routen, Distanzen oder Länder, die du unbedingt erwandern möchtest?
Im nächsten Jahr möchte ich mich noch einmal an meiner persönlichen Nemesis versuchen: dem Heidschnuckenweg in voller Länge – diesmal mit dem Verastalter Nordmarsch. Ein weiterer großer Traum ist es, irgendwann zu den Frauen zu gehören, die den Kölnpfad mit seinen 171 Kilometern mindestens fünfmal erfolgreich gefinisht haben.
Privat möchte ich außerdem noch mehr Touren im Harz unternehmen, der gar nicht so weit weg von meiner aktuellen Wahlheimat liegt und daher auch schnell zu erreichen ist. Irgendwann würde ich auch in Spanien oder Portugal gerne auf Pilgerreise gehen oder einmal den Via Transilvanica wandern.