Vater Tochter Beziehungen 

Heute wird mein Vater 73 Jahre...ich habe seit dem Tod meiner Omi den Kontakt abgebrochen, das war im Frühjahr 2022. Manchmal ist es besser los zulassen, weil man sich selber schützen muss. Ich wünsche jedem da draußen schöne Beziehungen zu den Eltern, aber ich weiß auch, dass es nicht immer passt. 

Wenn man Kind ist, kann der Vater so eine Art Held sein, er kann alles reparieren, ist stark und er hat auf alles eine Antwort. Meine Eltern waren beide berufstätig, daher war er nie der Verdiener der Familie. Das war gleichberechtigt. 😉 in den jungen Jahren war ich mit ihm öfter angeln, mein Vater war leidenschaftlicher Angler und da fanden wir ein paar Jahre eine gemeinsame Basis. 

Das größte Verständnis erhielt ich seitens meines Vaters, als ich mein Coming out hatte...ich wollte mich damals lieber " umbringen " als das ich es meinen Eltern gesagt hätte. Diese haben das aber mitbekommen und sich mit mir an einen Tisch gesetzt und gesprochen. Mein Vater zeigte da wirklich Größe. Vielleicht das letzte Mal. 

 

Jahre ziehen vorbei

Meine Eltern hatten ja die Gasttstätte und mit dieser änderte sich unser Leben. Mein Vater trank nie nur ein bisschen, wenn dann richtig. Es gab Streitereien, Verletzungen...und manchmal dachte ich, meine Eltern würden sich scheiden lassen. Ich hatte immer Angst wenn sie so waren, besonders mein Vater. Er konnte sich dann zu einem anderen Menschen verwandeln, wo man jeglichen Respekt verlor. 

Meine Jugend hat er auch nicht wirklich mitbekommen, weder meinen ersten Freund, noch Noten oder Sorgen meinerseits. Darum kümmerte sich ausschließlich meine Mutter. Er konnte beleidigend sein, manche Aussagen vergisst man nie. Manche Bilder leider auch nicht. 

Jahre im Rausch

Als junge Erwachsene trank ich dann selber mit, am Wochenende bei meinen Eltern, bei Freunden & Feiern. In diesen Momenten hatten wir manchmal Spass und fanden kurzzeitig eine gemeinsame Ebene..die sich aber nach kurzer Zeit im Vollrausch verlief. Unsere Verbindung zerbrach irgendwann, es fand kein Austausch mehr statt. Ich kommunizierte nur mit meiner Mutter...die selber dann das weite suchte. Mein Vater war entweder am trinken, am stöhnen oder am schlafen. 

Als meine Mutter 2015 plötzlich umkippte und verstarb war mein Vater derjenige ,der es mir sagen musste. Durch diesen Schock gingen wir nochmal eine Verbindung ein und versuchten uns gegenseitig zu helfen. Während ich das schreibe löst es selbst jetzt nochTraurigkeit aus, ich wäre in dieser Zeit fast selber drauf gegangen...aber er hat es nicht gemerkt. Nur eine Therapie über viele Jahre konnte mich retten, auch dazu bekam ich einen dummen Kommentar. Mein Vater weiss bis heute nicht was ich für ein Mensch bin. Er hat nicht gemerkt, daß ich immer wieder einen Weg zu ihm gesucht habe..Er hatte sein Mitgefühl für andere über die Jahre verloren durch den Konsum von Alkohol. 

Als meine Oma dann verstarb hatte ich nichts zu erwarten, wir sahen uns das letzte Mal am Friedhof, wo seine letzten Worte waren....hättest du die Kabel nicht abstellen lassen , würde sie wahrscheinlich noch leben...Er konnte mir exzellent das Genick brechen nur mit seinen Worten. In den Jahren davor, hab ich das nicht immer gut verkraftet und mich betrunken und dabei fast selbst zerstört. 

Aber heute stehe ich hier, gewachsen, clean und voller Empathie für mich & mein Leben. Jeder km beim Wandern hat mich weiter wachsen lassen, verarbeiten lassen und heilen lassen. Blut ist nicht immer dicker wie Wasser, es muss nicht immer passen auch wenn man verwandt ist. Es ist immer deine eigene Entscheidung wie du mit etwas umgehst. Und manchmal ist los lassen einfach gesünder.