Ist ein gutes Leben nur ein volles Leben?
Jedes Wochenende eine geplante Wanderung. Neue Ziele, besondere Orte, Sport, Leistung. Immer etwas vorhaben, etwas erleben, etwas erreichen.
Brauchen wir diese besonderen Momente, um uns gut zu fühlen? Die beeindruckenden Landschaften, die wir fotografieren. Die Strecken, auf die wir stolz sein können. Die Erlebnisse, von denen wir anderen erzählen.
Und wenn wir einmal nichts davon haben? Kein besonderes Ziel, keine außergewöhnliche Tour, nichts, was wir zeigen oder erzählen können?
Haben wir dann etwas verpasst?
Vielleicht verpassen wir gar nichts. Vielleicht haben wir nur verlernt, das Leben zu sehen, das längst da ist.
Dieser Gedanke beschäftigt mich gerade sehr. Denn ich merke, wie sich meine eigene Vorstellung von einem guten Leben verändert hat. Oder vielleicht auch, wie weit ich mich zeitweise von ihr entfernt habe.
Ich wollte einfach nur raus. In die Natur, weg vom Alltag, hinein in diese Ruhe, die ich draußen immer gefunden habe. Doch irgendwann wurde aus diesem einfachen Bedürfnis etwas anderes.
Ich ließ mich mitreißen. Von den Möglichkeiten, von neuen Herausforderungen, vielleicht auch von dem Gefühl, mithalten zu müssen. Ich wanderte immer weiter, immer schneller, suchte die nächste besondere Tour, den nächsten Marsch, die nächste Startlinie.
Ich wollte mehr schaffen. Nebenher trainieren, meine Beweglichkeit verbessern, Kraft aufbauen, Schritte sammeln und neue Herausforderungen meistern.
Und irgendwo zwischen all diesen Zielen verlor ich etwas aus den Augen.
Ich wanderte zu schnell, um meinen Weg wirklich zu genießen. Ich ging über Schmerzen hinweg, weil ich das Ziel erreichen wollte. Der kurze Kick am Ende wurde wichtiger als das, was ich unterwegs eigentlich suchte.
Dabei hatte ich einmal ganz anders angefangen.
Ich war einfach rausgegangen.
Die Natur war mein Weg. Der Frieden da draußen. Die Ruhe in meinem Kopf. Dieses Gefühl, wieder bei mir selbst anzukommen. Und am Ende die stille Zufriedenheit, mir etwas Gutes getan zu haben.
Es musste nichts Besonderes sein. Ich musste niemandem etwas beweisen. Ich musste nicht einmal besonders weit gehen.
Wann hat sich das verändert?
Und wie oft passiert uns das eigentlich auch in anderen Bereichen unseres Lebens? Dass wir aus etwas, das uns Freude schenkt, etwas machen, das wir erfüllen müssen? Dass wir immer weitergehen, obwohl wir längst vergessen haben, warum wir überhaupt losgelaufen sind?
Wenn du heute losgeht- gehst du, weil du die Natur erleben möchtest ? Oder weil du am Ende sagen möchtest , was du geschafft hast ?